Genießen in dieser Küche gibt den Lebensmitteln einen anderen Geschmack und einen anderen Wert: "die Rinde des Hausbrotes, welches gerade aus dem Ofen kommt, der Löffel mit Quark, die gute hausgemachte Suppe, das Fleisch mit den neuen Kartoffeln ! "
Mein Aufenthalt in den Cevennen an L'Etoile Gasthof
Colette Louvel
Mein Aufenthalt im "L´Etoile", August 2006. Kaum am Bahnhof von La Bastide-Puylaurent (im Norden der Cevennen, zwischen La Lozère und l´Ardèche) eingetroffen, kommt Philippe, ganz entspannt in schwarzem Anzug, um mich zu treffen und herzlich zu empfangen, wie er das zu tun versteht. Er hatte seine Küche, in der es leise weiterköchelte, für einen Moment alleine gelassen.
Ich gehe an Bord und ich breche mit unsicherem Schritt zu dem Abenteuer auf dem Passagierdampfer "L´Etoile" auf. Schon treten Wanderer, die Cevennen dem Stevenson-Weg folgend, von Herberge zu Herberge, überqueren, auf die Veranda.
Ich richte mich im Zimmer Nummer 40 ein, welches einen kleinen Balkon besitzt, und steige über die Wendeltreppe wieder nach unten. Ich kannte das Haus kaum, denn im vorherigen Jahr wurde ich nur geheißen mein Zimmer, den großen Essenssaal mit seinen Stammtischen, einen Bruchteil der Küche (ich räumte ein bisschen ab und ließ es mir nicht nehmen einige Gläser abzuwaschen) und den Raum mit dem Geschirr (ich deckte oft den Tisch) aufzusuchen. Philippe gab sich voll einsatzbereit mit mir das Haus zu besichtigen und riss dabei einige Witze.
Am ersten Tag bleibe ich in der Beobachtungsphase um spontan diesen oder jenen Handgriff in der Küche auf dem Fluss von Allier zu machen und ich bekomme sogar schon Komplimente. Am folgenden Tag gehe ich weiter, immer zögerlich, in dieser großräumigen Behausung, dessen Anordnung ich langsam verstehe (die Kühlkammer beeindruckt mich, der Backtrog, die großen Behälter für das Geschirr). Allmählich packt mich dieses Gästehaus und der große, geräumige Saal, welcher nur scheinbar der Art Déco – Galerie von Salamanca (Spanien) ähnlich ist und in seinem vollen Glanz erstrahlt.
Die Küche wird ein familiärer Raum, sehr behaglich, beinahe magisch, wenn Philippe sich dem Kochen von üppigen Gerichten widmet, welche Gerüche ausströmen lassen, die sich mit den Gefühlen vermischen und die eine friedliche und unzerstörbare Harmonie für den Rest des Abends schaffen; wie könnte ich hier nicht das berühmte Buch von Laura Esquivel "Como agua para chocolate" erwähnen. Und außerdem gibt das Genießen in dieser Küche den Lebensmitteln einen anderen Geschmack und einen anderen Wert: "die Rinde des Hausbrotes, welches gerade aus dem Ofen kommt, der Löffel mit Quark, die gute hausgemachte Suppe, das Fleisch mit den neuen Kartoffeln !"
Ein anderer Ort, den ich sofort mochte, ist die kleine Terrasse neben dem Garten, mit ihrem Eisentisch und ihren schwarz lackierten Stühlen. Ich liebte es hier zu frühstücken und mich vom morgendlichen Windhauch streicheln zu lassen, umgeben von laubtragenden Bäumen und der unberührten Weinrebe.
In der Herberge "L´Etoile" kann man das Wahre, Gute und Schöne wieder entdecken, das wesentliche Etwas, dank Philippe, der nicht nur kocht sondern auch zwischen den Stammtischen und den Gästen pendelt. Nach dem Essen lädt er sie sogar dazu ein es zu wagen und aufzustehen um abzuräumen, denn der Raum mit dem Geschirr ist für jeden zugänglich. All das ist eine Kunst und ein Konzept, das er sich verpflichtet hat aufzustellen und jeden Tag weiterzuführen.
Er geht sogar soweit einige Melodien auf dem piano zu improvisieren oder er singt, begleitet von der Gitarre, "Hotel California", mit richtigem amerikanischen Akzent, während es sich die letzten Gäste auf ihren Stühlen bequem machen und dabei einen Eisenkrauttee aus Puy en Velay trinken. Zum ersten Mal werde ich auf das Piano aufmerksam. Ich habe Lust es spielen zu lernen und Philippe gibt mir meine ersten Stunden. Welch ein Abenteuer!
Ich habe jetzt meine eigenen Markierungspunkte auf diesem faszinierenden Passagierschiff gefunden, denn dieses Gebäude besitzt eine Seele und man fühlt sich wohl hier.
Mein Aufenthalt wird rhythmisiert durch zahlreiche, sehr interessante Streifzüge im Minibus mit Philippe. Wir trinken eben erst einen Kaffee bei Christine, der enthusiastischen Engländerin vom Gasthaus "Les Roches" in Langogne, dann sind wir schon bei dem Freund Pierre von der Herberge "La Regordane" in La Garde de Guérin (Schluchten von Chassezac) oder auch bei Christian vom "Refuge du Moure au Cheylard l'Evêque (Margeride). Auch den netten Empfang durch Bertrand und seine Tochter Léa in der Käserei von Thort auf der Regordane – Straße werde ich nicht vergessen (das gute kleine Café gegenüber dem Tannenwald). Wir werden die Einkäufe in Puy en Velay, mit einem kurzen Stopp im marokkanischen Restaurant (sukkulente Tagine) in einer kleinen Fußgängerstraße im Stadtzentrum, machen. Wir müssen zweimal gehen um die Korbflaschen mit Wein aus Langogne zu füllen und uns mit Obst und Gemüse einzudecken (wie gut es ist einfach die frischen Früchte aus der Vorratskammer und dem Kühlhaus zu riechen und zu betrachten, das ist nicht jedem alle Tage gegönnt!)
Zwei andere Ausflüge haben mich geprägt: das Baden in dem Fluss von Borne im Westen der Ardèche (Olivier, Elea und ihre Kinder haben uns begleitet) und der Besuch der Abtei Notre Dame des Neiges (landschaftlich wunderschöne Strecke bei der Rückfahrt über den Wanderweg, der teilweise der GR7 und GR72 folgt), ich erspähte hier sogar das Fenster und den Balkon von meinem kleinen Zimmer.
Vor allem war mein kleines Zimmer schlicht und schön. Ich mochte es nachts vor dem Einschlafen auf den Balkon zu gehen und ich betrachtete die Umrisse der still gewordenen Natur. Ich ließ immer die Vorhänge offen, denn der Morgen bot einen anderen Zauber. Gelegentlich wurde ich (ein bisschen spät) durch das Läuten der Glocken geweckt und von meinem Bett aus lachte mir die Natur entgegen, der Kamin rauchte schon, was bedeutete, dass Philippe schon seit langem unten war. Hallo! Und es ist ein neuer Tag, der im "L´Etoile" mit Fröhlichkeit und guter Laune beginnt.
Ein großes Dankeschön, Philippe, für diese schönen Momente, die ich an Bord deines Passagierdampfers mit dir teilen konnte. Ich habe deine Freundlichkeit und dein Feingefühl genossen.
Einmal bin ich in die Umgebung von Saint Laurent Les Bains gegangen und musste dann einen Hang herauf laufen, wo ich eine kleine Pause im "La Baraque" bei Elisabeth, die Dreharbeiten über Holzkunst macht, einlegte. Die Objekte sind aus Nussbaum, Buche, Palisander und Ahorn gefertigt. Bei meinem zweiten Spaziergang bin ich nicht so weit gelaufen, denn ich hatte vor an der Abtei Notre Dame des Neiges vorbeizugehen.
Und dann gab es schließlich auch noch nette Gäste, wie die Deutschen mit ihrem Mädchen, das in der Nähe von meinem Zimmer geschlafen hat, den Zugführer mit seiner Tochter, die Mutter mit ihren zwei Jungen, Sol und ihr Mann. So viele Erlebnisse in so kurzer Zeit! Am Tag meiner Abfahrt regnete es beim "L´Etoile", aber das hinderte uns nicht daran uns auf die Terrasse zu setzen. Leb wohl, schönes Mauerwerk, leb wohl, Fürst der Liebe fürs Detail und des Know-how !
Das ehemalige Sommerferienhotel der Zwanziger Jahre mit am Fluss Allier gelegenen Park trägt den hübschen Namen Gasthof L'Etoile und dient heute als gemütliche Herberge. Es befindet sich in La Bastide-Puylaurent inmitten der für Südfrankreich typischen Berge; zwischen der Regionen Lozere, Ardeche und den Cevennen. Auch die Fernwanderwege GR7, GR70 Stevensonweg, GR72, GR700 Regordaneweg (St Gilles), Cevenol, Roujanel, Montagne Ardechoise, Margeride und der Schluchtenweg entlang dem Fluss Allier. Ideal für einen entspannten Urlaub.