Das Gästehaus, vormals ein Hotel, ist großzügig und hell, an seiner Vorderseite eine schöne glasumbaute Veranda, an der Rückseite ein Balkon mit Blick auf den Garten, den Allier und das Dorf La Bastide-Puylaurent im Lozère.
Eine Woche im L'Etoile Gästehaus
Margit Huy
Während
der Zugfahrt von Brüssel nach Nimes geht die Landschaft allmählich ins
Mediterrane über, kurz hinter Valence entdecke ich die erste Zypresse ! Weiter
geht es von Nimes nach Norden bis
La Bastide-Puylaurent
im Lozere bis zur Kreuzung der Wanderwege GR70 Stevenson-Weg, GR7, GR72, GR700 Regordane oder Chemin de Saint-Gilles, der Cevenol und der Schluchtenweg entlang dem Fluss Allier. Die Strecke, zurückgelegt in einem modernen mit
Panoramafenstern ausgestatteten Zug, bietet wunderbare Ausblicke in die
Cevennen-Landschaft. Ein Dokumentarfilm
hätte es nicht besser machen können.
Bei
der Ankunft im Gästehaus
L'Etoile werde
ich vom Besitzer,
Philippe Papadimitriou,
und seinem Hund Billy (dazu später mehr) in Empfang genommen. Philippe, Europäer
durch Herkunft und Überzeugung, Weltenbummler, ein fast Zwei-Meter-Mann mit
übermütig blitzenden blauen Augen, gibt mir sofort das Gefühl, willkommen zu
sein, so als hätte er nur auf mich gewartet (Ende der Illusion: diesen Eindruck
vermittelt er allen Ankömmlingen !)
Das Gästehaus, vormals ein ehemalige Sommerferienhotel, ist großzügig und hell, an seiner Vorderseite eine schöne glasumbaute Veranda, an der Rückseite ein Balkon mit Blick auf den Garten entlang der Allier.
Im großen Aufenthaltsraum, wo auch die Mahlzeiten ("tables d'hotes") eingenommen werden (selbstgebackenes Brot) steht das Klavier, an dem sich Philippe jeden Nachmittag zum Spielen niederlässt. Die Krönung ist allerdings der riesige, von Philippe selbst gebaute Kamin, dessen Feuer zu dieser Jahreszeit (es ist Anfang Mai) noch sehr willkommen ist.
Und
nun zu Billy, eine Mischung aus Labrador/Golden Retriever/??, oder, wie Philippe
behauptet, eine Neuzüchtung "Gästehaus-Hund". Billy ist, so ebenfalls Philippe,
integraler Bestandteil des Konzepts Gasthof. Billy empfängt Ankömmlinge nach
seinen eigenen Kriterien: manche werden herzlich begrüßt, manche mit heftigem
Bellen, manche lassen ihn völlig unbeteiligt. Er wird schon wissen, was er tut.
Billy belegt die strategisch wichtigen Punkte im
Haus: entweder vor dem Büro (Blick in den Flur, zur Haustür und in den
Aufenthaltsraum), oder im Flur vor der Küche (jeder versteht warum), oder
vor/unter dem Kamin. Außerdem macht er es sich gerne in einem Korbsessel beim
Kamin bequem. Die Technik ist ausgefeilt: zunächst legt er die Schnauze auf die
Sitzfläche, dann die Vorderpfoten, eine letzte Anstrengung und das Hinterteil
folgt (gar nicht so einfach, schließlich ist man nicht mehr der Jüngste).
Sind alle vier Pfoten im Sessel, folgt eine leichte Rechtsdrehung, die Vorderpfoten werden durch die Seitenstäbe nach draußen gehängt und der Kopf ruht auf der Seitenlehne: uff, geschafft ! Nun kann man Billy mit Sessel nach Belieben Drehen, Schieben und Fotografieren, so schnell wird er ihn nicht mehr verlassen.
Zwischen mir und Billy ist es Liebe auf den ersten Blick, und zwar gegenseitig ! Wann immer ich mich irgendwo hinsetze, ich gebe zu, meistens am Kamin, kommt Billy und lässt sich mit einem wohligen Brummen zu meinen Füßen nieder und legt den Kopf auf die Vorderpfoten.
Daraufhin kraule ich ihn hinterm Ohr und sage ihm, dass er ein schöner Hund ist, überhaupt der schönste aller Hunde, was er mit halb geschlossenen Augen wortlos zur Kenntnis nimmt. Ich nehme an, er ist einverstanden. Als Belohnung sozusagen schiebt er sich auf den Rücken, damit ich ihm auch den Bauch kraulen kann, woraufhin er sich mit einem weiteren wohligen Brummen auf die rechte Seite legt.

Gern kommt er auch morgens durch die Balkontür ins
Zimmer, um mich mit viel Schwanzwedeln, Springen und Niesen gebührend zu
begrüßen. Ich habe Billy
für die Dauer meines Aufenthalts zu meinem Hund ernannt,
was Philippe großzügig zugestanden hat.
Wanderungen sind nicht mehr Billy's Ding (man ist ja, wie schon gesagt, nicht mehr der Jüngste), dafür fährt er gerne mit Philippe und dessen Minibus zum Einkaufen. Nur, wie man den Gurt anlegt, das hat er noch nicht gelernt.
Aber ich bin schließlich zum Wandern gekommen. Und wenn Freund Christian, der Philippe morgens und abends bei der Arbeit hilft, schließlich fertig ist, geht es los. Wir machen schöne Touren von drei bis vier Stunden, das reicht mir für meinen Teil. Das Angebot an Wanderwegen ist immens hier herum.
Die Landschaft ist sanft und farbenfroh,
Bergkämme, Täler, Hänge sind bedeckt mit einem Teppich in einer Vielzahl von
Grüntönen, die mein Malerherz erwärmen. Dazwischen leuchtend gelbe Ginster- und
Löwenzahnblüten, große Flecken von dunklem Grün in zartgrünen Wiesen, die sich
beim Näherkommen als noch nicht blühende Narzissen zu erkennen geben.
Wie
auch am Wegesrand winzige Stiefmütterchen, Kuckucksblumen, Orchideen,
Schneeglöckchen ihre Köpfe zitternd in den Wind halten und auf sonnigere Zeiten
warten.
Ich bin fasziniert von den Berghängen, die aussehen, als hätte der Schöpfer sie mit großer Sorgfalt bepflanzt. Da stehen Tannen neben Pinien und Buchen, blühende Sträucher und Bäume, Ginster wächst auf Felsbrocken, es gibt hohe und niedrige, schlanke und runde, lange und breite Formen, alle Varianten von Grün, und das Ganze ist Ausdruck großer Harmonie.
Fährt man mit dem Auto auf den schmalen Strassen,
hat man den Eindruck einer Landschaft, wie sie rund um Spielzeugeisenbahnen
geschaffen werden: Täler, Hügel, Brücken, Tunnel, Eisenbahnschienen, Gehöfte,
Wasserläufe, Schafe, Ziegen, ständig ändert sich das Bild. Und über allem ein
Himmel, der immer wieder zwischen Blau und Grau wechselt, riesige Wolkenberge
öffnen sich auf ein Stück sonniges Blau, um sich gleich darauf wieder neu zu
formieren. Stille umgibt mich, nur unterbrochen von Vogelgezwitscher oder dem
Rauschen eines Wasserlaufes. Paradiesisch.
Mit Bedauern reise ich ab und mit dem Wunsch, bald wiederzukommen in diese
Landschaft und ins Gästehaus L'Etoile mit Philippe und Billy.
Das ehemalige Sommerferienhotel der Zwanziger Jahre mit am Fluss Allier gelegenen Park trägt den hübschen Namen Gasthof L'Etoile und dient heute als gemütliche Herberge. Es befindet sich in La Bastide-Puylaurent inmitten der für Südfrankreich typischen Berge; zwischen der Regionen Lozere, Ardeche und den Cevennen. Auch die Fernwanderwege GR7, GR70 Stevensonweg, GR72, GR700 Regordaneweg (St Gilles), Cevenol, Roujanel, Montagne Ardechoise, Margeride und der Schluchtenweg entlang dem Fluss Allier. Ideal für einen entspannten Urlaub.