Eines Tages erhielt ich eine email von Philippe Papadimitriou, einem Bed & Breakfast Besitzer in Frankreich, er wollte wissen ob ich an einem Austausch interessiert wäre.
Die neue internationale Familie
Gundy Baty
Wenn
wir älter werden denken wir oft zurück an die Zeiten wo wir in grossen Familien
Unterstützung und Freunschaft gefunden haben, sowohl als ein Gefühl der
Dazugehörigkeit.
Ich gehöre zu der Generation der "Baby Boomer" und schaue oft zurück mit Nostalgie zu einem Lebenstil der der Vergangenheit angehört. Viele in userem Alter sind geschieden, die Kinder haben inzwischen ihr eigenes Leben und wir leben irgendwo alleine in einer Großstadt wo niemand mit niemand spricht.
Mein Ausweg aus dieser Situation war meine Idee wegzuziehen von Toronto, der grössten Stadt in Kanada, wo ich für viele Jahre gelebt habe. Ich wählte das kleine Städtchen Revelstoke in den Rocky Mountains 5000 Kilometer von Toronto.
Um der Eisamkeit in einer fremden Stadt zu entgehen, kaufte ich ein Bed and Breakfast mit der Hoffnung viele Gäste aus aller Welt zu haben. Das war eine grandiose Idee.
Menschen,
die ein Bed & Breakfast wählen auf ihren Reisen, sind meistens interessante
wundervolle Leute, die viel gereist sind, eine höhere Ausbildung haben und es
ist ein Vergnügen sich mit ihnen zu unterhalten. Viele sind Freunde geworden und
kommen immer wieder oder bleiben in Kontakt über das Internet. Ein Bed &
Breakfast zu kaufen war die beste Idee meines Lebens. Ich habe wunderbare
Menschen kennengelernt und bin immer traurig wenn sie wieder abreisen.
Eines Tages erhielt ich eine email von Philippe Papadimitriou, einem Bed & Breakfast Besitzer in Frankreich, er wollte wissen ob ich an einem Austausch interessiert wäre.
Eine grandiose Idee ! Er, auch alleinstehend, suchte einen Ausweg aus dem unpersönlichen neuen Lebensstil. Ich war beeindruckt von seinen interessanten Erlebnissen mit Bed & Breakfast Besitzern aus Kanada, USA und Australien, die er während des Austausches kennen und lieben lernte. Ich war total begeistert und bereit mitzumachen.
Im
Oktober 2002 Philippe kam mit seiner reizenden Freundin Radka nach Revelstoke
für 5 Tage. Wir haben uns sofort gut verstanden und hatten lange und
interessante Gespräche über unsere Erfahrungen mit unseren Gästen. Nach kurzer
Zeit war Philippe kein Fremder mehr, eher ein Bruder.
Im November 2003 heiratete ich wieder. Syd Blackwell war auch ein Bed & Breakfast Besitzer in Revelstoke in British Columbien/ Kanada. Wir haben so vieles gemeinsam: wir sind beide Lehrer gewesen, haben die Welt bereist, wir lieben Gespräche mit interessanten Menschen, kochen mit Begeisterung und finden unser eigener Chef zu sein ideal. Ohne viel Worte wusste ich sofort dass Syd zu der gleichen Entscheidung gekommen war nach Jahren auf der Suche nach einem besseren Lebenstil. Wir konnten uns keinen besseren Partner wünschen.
Unsere Hochzeitsreise führte uns nach Europa.
Wir
erreichten Philippe's Gästehaus L'Etoile am
selben Tag als er von einem Austausch in den USA zurückkam. Wir fühlten uns
sofort zu Hause obwohl das Gästehaus leer war, da geschlossen um diese
Jahreszeit. Auch war es kalt und regnete für die 3 Tage, die wir dort
verbrachten, aber wir hatten trotzdem eine wunderbare Zeit.
Andere Touristen würden vielleicht gelangweilt in ihrem Hotel sitzen und warten bis der Regen aufhört, aber wir zogen uns warm an und folgten Philippe, der uns die Gegend zeigen wollte.
Wir waren überrascht, wie wunderschön diese Gegend ist sogar im Nebel und Regen. Wir fuhren durch enge kleine Landstraßen die in jeder Kurve einen ander Ausblick offenbarte: Felswände, Wasserfälle, kleine Bäche, gigantische Felsformationen in allen Farben und interessante Bäume und Büsche - alles war von einer unbeschreiblichen Schönheit wenn Nebelfetzen uns einen Blick ins tiefe Tal erlaubten. Ich habe etliche Jahre in Frankreich gelebt bevor ich nach Kanada auswanderte und viel Schönheit dort gesehen, aber nie diese Gegend in den Cevennen mit den zerklüfteten Felsen und Schluchten.
Philippe,
dieser immer vergnügte Riese, den nichts aus der Ruhe bringen konnte, zeigte uns
kleine Dörfer, die noch im Mittelalter zu leben schienen, mit engen steilen
Gassen, gothische und romanische Kirchen und Kathedralen. Wir fanden sogar einen
malerischen Markt voller Stände mit so vielen Sorten von Käse, frische Brote,
Gemüse und Früchten dass wir trotz Regen viel Zeit dort verbrachten.
Philippe lud uns ein in kleine, aber
reizende Restaurants wo wir hervorragendes Mittagessen für überraschend niedrige Preise bekamen.
Ein Einheimischer, der die besten Plätze kennt, ist Gold wert.
In den 3 Wochen
in denen wir in Frankreich waren, bevor wir Philippe besuchten, hatten wir
einige recht teure und längst nicht so gute Restaurant-erfahrungen gesammelt.
Im Gästehaus L'Etoile war alles einfach, ohne grosse Fanfaren, wir haben zusammen gekocht, gegessen und gespült und haben uns richtig heimisch gefühlt.
Es war ein einmaliges Erlebnis und wir hoffen, das viele andere B&B Besitzer von dieser Austausch idee erfahren.
Syd und ich hoffen bald wieder zu kommen und per Fahrrad diese unberührte Landschaft zu erkunden. Wir möchten die 40 Kilometer ins Tal fahren um all die Aussichten zu geniessen und dann mit dem Zug zurückzufahren nach La Bastide-Puylaurent.
In der Zwischenzeit bleiben uns Erinnerungen von diesem unvergesslichen November mit Philippe in Frankreich.