Velotour im Lozère vom Gite L'Etoile (Gästehaus/Gasthof) aus La Bastide-Puylaurent, Chasserades, der Berg von Goulet, Le Bleymard, le Mont Lozère, le Col de Finiels, Le Pont de Montvert, la Croix de Berthel, Vialas, Genolhac, Villefort, das mittelalterliche Dorf von La Garde Guerin, Chassezac Täler und Prevencheres.
Velotour durch die Täler der Allier, Chassezac, Lot und Tarn via die Mt Lozère
123 km
Wenn unser Haus schon an der D 6 liegt, warum dann nicht hier starten ist meine Überlegung am Vorabend der Tour und außerdem juckt es mich, den höchsten Berg der Gegend zu erklimmen.
Also, nix wie drauf auf den Drahtesel, es ist ein wunderschöner Spätsommermorgen, die Sonne saugt die letzten Nebelfetzen aus den Seitentälern als ich losfahre. Kein Wanderer, kein Bauarbeiter, der meinen Morgengruß nicht erwidert und so geht es langsam aber stet bergan, vorbei an Kastanienhainen und einer widerstandsfähigen Birkenart.
Chasserades lassen wir rechts liegen und biegen bei L'Estampe, kurz nachdem wir ein wunderschönes Viadukt unterquert haben auf die D 120, ein Sträßchen kaum breiter als 3 Meter, das sich im ersten Anstieg des Tages auf den Bergrücken windet, der die der die Täler von Chassezac und Altier trennt. Auf immerhin 1413 Höhenmeter kommen wir so, ein netter Vorgeschmack auf den Mont Lozère.
Doch früh am Morgen macht das keine Probleme, ganz im Gegensatz zu den vielen Jägern die mit ihren neonfarbenen Westen und den doppelläufigen Büchsen am Straßenrand stehen. Ich bin ganz froh, dass ich auch ein (nicht das!) gelbes Trikot anhabe und hoffe inständig, dass mich keiner der Herren mit einem lapin verwechselt.
Philippe erzählt mir am Abend, dass die häufig vor dem Jagen erst mal einen oder mehrere Pastis runterzischen, da habe ich ja mal Glück gehabt. Apropos Glück: die Abfahrt vom Bergrücken nach Le Bleymard verschafft mir ein echtes Glücksgefühl. Allerdings empfiehlt es sich anzuhalten, um die Aussicht zu genießen, Schlaglöcher gibt es auf dieser steilen Abfahrt mehr als genug. Nach einer kurzen Rast (einkaufen kann man günstig im 8 à huit) direkt an der Straße heißt es: "Der Berg ruft!", schließlich wartet als Höhepunkt des Tages der Mont Lozère, höchster Berg der Cevennen und gleichzeitig Skigebiet. Weitere 500 Höhenmeter gilt es zu erklimmen, und die haben es in sich. Eigentlich ist die Steigung ok und auch die Sonne brennt noch nicht erbarmungslos, aber da hat sich ein bisher unbekannter Gegner dazu gesellt: ein brutaler Wind, keine Frage, natürlich von vorne.
Die Leute an der Talstation des Skigebietes glauben wohl, da käme ein Dampfross, als ich um die letzte Kurve keuche. Und – Schande über mich – auf dem Weg zum Col schiebe ich sogar ein Stück, ist mir scheißegal. Dabei kann ich übrigens den Ausblick nach Norden über die erst mit Latschenkiefern bewachsene und dann immer kahler werdende Hochfläche besser genießen. Die Abfahrt wird zur Stop and go – Fahrt, denn es reiht sich ein interessantes Fotomotiv ans andere. Der Wind und Brände haben hier ganze Arbeit geleistet, diese Landschaft in von einer herben und unvergleichlichen Schönheit, die den Fahrspaß der Abfahrt völlig in den Hintergrund rückt. Wer hier nicht anhält ist entweder Sportfanatiker oder Banause oder beides.
Ich entschließe mich dem Städtchen Pont de Montvert meine Aufwartung zu machen, klein, gemütlich, man sitzt im Cafe direkt an der Hauptstraße und ich genieße die Atmosphäre.
Doch dann eine kleine Enttäuschung, die meinen Tag doch erheblich verlängert: den direkten Weg nach Villefort über die mas de la Barque kann ich nicht nehmen, ist nicht durchgehend geteert sagt man mir im Dorf. Da gibt es also keine Alternative als den Umweg über Genolhac (Gard) zu nehmen. Doch das habe ich nicht bereut: ganz sanft steigt die D 998 im Tal der Tarn auf lächerliche 1030 Meter zum Col de la Croix Berthel, vorbei an saftigen Weiden und Mischwaldbeständen und dann folgt eine geniale Abfahrt, in der ich mir Rennen mit den Autos liefere, klar wer gewonnen hat.
Dass ich dabei schon wieder 500 Höhenmeter vernichtet habe wird mir dann in Genolhac bewusst, doch die Erbauer der D 906 haben eine Superlösung gefunden: es geht zwar erst mal steil hoch, doch dann zieht sich die Straße auf einer Höhe bis kurz vor Villefort, dort fällt sie wieder zum See hinab.
Der Kilometerzähler zeigt mittlerweile fast 100 und der See zeigt sich von seiner schönsten Seite. Kleine Wellen glitzern golden im Gegenlicht der sich langsam neigenden Sonne. Das will ich doch genießen und setzte mich deshalb auf die Terrasse des Hotels, das auf halbem Weg am Strand Richtung La Bastide-Puylaurent liegt. Wer hier nicht anhält ist selbst schuld.
Nach dieser schöpferischen Pause kommt Arbeit. Es gilt von 610 Metern in zwei Etappen auf 1057 Meter zu steigen. Kein Problem ist dabei die erste Etappe, vor allem weil die Aussicht bei der Auffahrt einfach nur gigantisch ist. Die Straße, ins Felsmassiv geschlagen windet sich am Rande der Schlucht des Altier nach oben, das Flüsschen wird immer kleiner und plötzlich sind wir auf dem Bergrücken, wo die Fahrt etwas flotter voran geht. Ein Abstecher in La Garde-Guerin sollte schon sein, ein pittoreskes kleines Dorf ganz in Stein, Fotomotive zuhauf und wiederum ein toller Ausblick ins Tal des Chassezac lohnen den kleinen Aufstieg. Die Abfahrt nach Prevencheres auf der gut ausgebauten D 906 gibt mir die Gelegenheit zu einem neuen Tagesrekord: 64 km/h zeigt der Tacho, als ich kurz von dem Stausee in die Eisen gehe.
Über den Rest der Strecke breite ich lieber den Mantel des Schweigens denn ich biete den Anblick eines Jammerlappens. Lächerliche 200 Höhenmeter sind jetzt noch zu überwinden, aber die haben – ehrlich gesagt – keinen Spaß mehr gemacht. Dass ich noch einen Blick für die schönen Eichen – und Akazienhaine habe ist gerade ein Wunder und so bin ich schließlich froh, nach 123 km la Bastide-Puylaurent zu erreichen. Philippe wartet mit einem reichhaltigen Abendessen und schon ist die Anstrengung vergessen.
Das ehemalige Sommerferienhotel der Zwanziger Jahre mit am Fluss Allier gelegenen Park trägt den hübschen Namen Gasthof L'Etoile und dient heute als gemütliche Herberge. Es befindet sich in La Bastide-Puylaurent inmitten der für Südfrankreich typischen Berge; zwischen der Regionen Lozere, Ardeche und den Cevennen. Auch die Fernwanderwege GR7, GR70 Stevensonweg, GR72, GR700 Regordaneweg (St Gilles), Cevenol, Roujanel, Montagne Ardechoise, Margeride und der Schluchtenweg entlang dem Fluss Allier. Ideal für einen entspannten Urlaub.